Doch war wohl diese Vorgeschichte daran schuld, daß Wyetts erste Zeichnung, ein Rotkehlchen, wie er versicherte, das aussah wie ein gekipptes E, bei Tante May kaum auf Bewunderung stieß. - Aber liebst du denn unseren Herrgott gar nicht mehr? Worauf er sagte: doch, das schon. - Warum willst du dann unseren Herrgott gar nicht mehr? Worauf er sagte: doch, das schon. Warum willst du dann unbedingt seinen Platz einnehmen? Gott allein ist der wahre Schöpfer, und es ihm gleichzutun heißt sich an der Schöpfung versündigen, fuhr sie fort, die Langmut selbst, die Engelszunge, die nichts Gutes verhieß. - Erinnerst du dich an Luzifer? Weißt du, wer Luzifer war?
...
Unter den vielen Dingen, die Wyett inzwischen mit unserem Herrgott anstellen wollte, war eines hingegen nicht: einmal wie Er zu enden. Und er gab nicht auf. In aller Heimlichkeit malte er weiter und versteckte die Bilder, selbst nicht wenig erschrocken darüber, wie unter seinem Stift die bloße Gestalt Form annahm. Einige seiner Werke wickelte er in eine alte Zeitung und begrub sie hinter dem Kutschenhaus. In dem Maß, in dem sein Talent erblühte und trieb wie der junge Lorbeerbaum, wurde ihm zur Gewißheit, daß er sein Seelenheil bereits verspielt hatte. Bei einer seiner Grabungsaktionen stieß er auf die verwesten Überreste eines Vogels, den er just an dem Tag getötet hatte, an dem ihm wegen Tante Mays wilder Spekulation hinsichtlich seines entsetzlichen Schicksals im Jenseits die Tränen gekommen waren.
(aus: William Gaddis "Die Fälschung der Welt" )